01.06.2018

Schrauben Sie noch oder wohnen Sie schon?

Von Michael Thissen

Ikea ist Kult. Ikea macht Möbel für Massen. Kaum eine deutsche Wohnung, die ohne »Billy« auskommt, kaum ein Kind, das nicht mit »Bonde« groß geworden ist. Das Sofa »Klippan« avancierte zum Zeichen für guten Geschmack. Doch was macht Ikea zu dem, was es ist? Und was können sich andere Unternehmen daraus als Vorbild ziehen?

Das Motto des Ikea-Gründers Ingwar Kamprad, »schöne, praktische und preiswerte Möbel für alle« herzustellen, ist jedermann in der Zwischenzeit bekannt. Besonders lag aber der Fokus auf die Stapelbarkeit und die preiswerte Versendbarkeit eines Möbels. Getreu des Mottos »Wir verschicken keine Luft« wird ein Möbel erst dann produziert, wenn es flach in Einzelteile zerlegbar und verpackbar ist und anschließend gut stapelbar in die Ikea-Filialen transportiert werden kann. Erfüllt ein Möbel-Design diese Anforderungen nicht, geht es nicht in Produktion.

Ikea lebt eine ganzheitliche Vision und zeigt dies immer wieder an neuen Designs und neuen Produkten, getreu dem oben genannten Motto. Wenn man den Verlauf von Ikea beobachtet, dann ist ein kontinuierlicher Erfolg ersichtlich. Ikea hat vor Kurzem die 4 Milliarden Umsatzmarke durchbrochen und wächst weiterhin in allen Bereichen.

Perspektivwechsel
Wir haben zwar schon alle etliche Stunden am Aufbau der einzelnen Möbelstücke verbracht, aber allgemein kann man sagen, dass nicht nur durch die sehr strukturierten und einfachen Beschreibungen eine schnelle Montage von Ikea-Möbeln möglich ist. Schauen wir aber in heutige Unternehmen, die ihren Mitarbeitern Anweisungen mitgeben wollen, treffen wir auf die unterschiedlichsten Varianten überhaupt. Dort herrscht nämlich eher eine Kultur der Umständlichkeit.

Große Unternehmen lieben es, komplexe Prozessstrukturen zu visualisieren und erhoffen sich dadurch, dass die Mitarbeiter in den relevanten Situationen genau Bescheid wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Kleine Unternehmen dagegen haben meistens kurze Arbeitsanweisungen. Aber was ist nun das richtige Maß?

Der Anstoß des Handelns
Wir empfehlen immer, auf die kulturellen Aspekte eines Unternehmens einzugehen und entsprechend die Prozessbeschreibungen so verständlich wie möglich zu gestalten. Dabei sollte immer auf die Rollen eingegangen werden, für die die entsprechende Beschreibung/Anweisung/Prozessmodellierung relevant ist.

Nehmen wir mal das Beispiel von aufgetretenen Störungen, die zu einem Notfall und folglich vielleicht daraus zu einer Krise führen. Hier gibt es unterschiedliche Varianten, wie dieser Ablauf in prozessrelevanten Rollen erläutert werden kann. Sie können gerne ein Flussdiagramm dafür erstellen und abwarten, ob sich im Notfall wirklich jeder an den Plan hält. Oder Sie erstellen kleine skizzierte Merker, wo jede Rolle sofort erkennen kann, wer der Ansprechpartner (Eskalation) und was genau zu tun ist. Und bedenken Sie dabei, dass es unterschiedlichste Trigger für eine Störung und den resultierenden Notfall geben kann.

Unsere Empfehlung
Wir empfehlen immer wieder: Keep it simple! Kleine Reminder – nach dem Ikea-Prinzip – an den richtigen Orten platziert, helfen oft mehr, als eine komplexe Anordnung.

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