20.09.2018

Drei Grundvoraussetzungen für erfolgreiches IT Change Management

Von Bodo Piening

Im Kontext des »IT Infrastructure Library« (ITIL) Modells gilt das Change Management als einer der wichtigsten zugleich aber auch komplexesten Prozesse. Das Change Management behandelt jede Art einer Veränderung (Change) an einer IT-Infrastruktur und seinen Services. Dabei ist das Ziel des Change Managements die sichere, wirtschaftliche und termingerechte Durchführung von Änderungen und die Minimierung der Risiken für den Eintritt einer Störung der IT-Services.

Entsprechend dieser großen Relevanz wird dieser Prozess in vielen Unternehmen mit großem Aufwand eingeführt und betrieben. Er wird entworfen und dokumentiert, Formulare für die Beantragung von Änderungen werden erstellt, ein Change Manager wird etabliert, die Besetzung des Change Advisory Board (CAB) wird definiert und vieles mehr.

Leider wird hierbei häufig vergessen, dass bestimmte Voraussetzungen und Rahmenbedingungen zwingend notwendig sind, damit sich hieraus ein echter Nutzen für das Unternehmen ergibt. Andernfalls kann dies, abgesehen von der negativen Kosten-Nutzen-Bewertung, sogar zu echten Nachteilen oder einem wirtschaftlichen Schaden für das Unternehmen führen.

Lesen Sie im Folgenden die drei wichtigsten Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches und nutzbringendes Change Management.

Change Evaluierung
Um die mit der Änderung verbundenen Risiken für eine Störung des IT-Betriebes beurteilen zu können, müssen die Abhängigkeiten zu anderen Elementen der IT-Infrastruktur ermittelt werden wie z. B. Aufrufhierarchien oder Schnittstellen.

Im Idealfall existiert hierfür eine »Configuration Management Database« (CMDB) oder es gibt zumindest eine geeignete Architekturdokumentation, welche die hierfür notwendigen Informationen liefert. Zweite Voraussetzung sind methodische, am Risiko orientierte, durchgeführte und dokumentierte Tests.

Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, ist der Change Management-Prozess sinnentleert und es sollte ernsthaft in Erwägung gezogen werden, diesen abzuschaffen. Er verhindert in diesem Fall sogar mit viel operativem Aufwand und Kosten eine mögliche Agilität ohne die Risiken wirklich zu mindern.

Ausrichtung an den Unternehmenszielen
Ein erfolgreiches Change Management erfordert eine enge Verbindung mit der Unternehmensstrategie.

Ein Unternehmen, das »Kostenführerschaft« als Ziel hat, benötigt einen schlanken Prozess mit weniger Testaufwand und maximaler Effizienz aber auch eingeschränkten Kontrollmöglichkeiten. Ist das Unternehmen am Markt als Qualitätsführer aufgestellt, bedarf es einer maximalen Transparenz und einem höchsten Grad an Sicherheit.

Dieses einfache Beispiel verdeutlicht die Notwendigkeit einer spezifischen Anpassung und Ausrichtung des Change Managements an den Unternehmenszielen.

Einbindung des Business
Change Management ist keine reine IT-Veranstaltung. Ein erfolgreiches Changement ergibt sich erst durch die Einbindung und Beteiligung des Business; d. h. der Fachbereiche.

Dies beginnt bereits mit einer frühzeitigen Abstimmung über die notwendigen Freigabezyklen und -termine. Häufig werden Änderungen zu spät beantragt, aber dann mit dem Hinweis auf entgangenen wirtschaftlichen Nutzen einer späteren Einführung »durchgepeitscht«.

Abgesehen von der Einbindung in Tests und Abnahmen, die als selbstverständlich anzusehen sind, sollte der Fachbereich darüber hinaus im CAB vertreten, sich aktiv an der Bewertung und Priorisierung beteiligen und bereit sein, verbleibende Risiken mit zu tragen.

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