02.11.2017

Masse statt Klasse

Von Thomas Engelmann

„Ich kaufe mir ein Set an fertigen ITSM-Prozessen und dann bin ich der perfekte Berater.“ Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Doch beschleicht mich immer wieder dieses merkwürdige Gefühl, dass Prozessberater so ticken, wenn ich mir den Markt genauer anschaue.

Tatsache ist: Viele Hersteller von Prozessmodellierungstools wie auch Prozessberater bieten gegen Bezahlung ein Set an »fertigen« Prozessmodellierungen an – ob in die Prozessmodellierungstools schon integriert oder aber als VISIO oder ähnliches. Berater ohne Erfahrungen bekommen leuchtende Augen, weil sie sich so einen Wissensvorsprung von 5 Minuten einkaufen. Das ist aus unserer Sicht geradezu fatal!

Der Kunde bekommt eine Luftblase
Man stelle sich nun vor: Dieser Typus Berater schlägt bei einem Kunden mit einem echten Problem auf ... und designt ihm trotz Mangel an Erfahrungen eine Prozesslandkarte, um damit alle Probleme zu lösen. Das generiert kontinuierlichen Umsatz und suggeriert dem Kunden: „Der Mensch kann mir helfen, meine Probleme sind Vergangenheit“.

Häufig wird vom Kunden jedoch nicht bedacht, zu selektieren: Was benötige ich wirklich an Prozessen? Was helfen diese Prozessbibliotheken? Passen diese Prozesse überhaupt zu mir? Dem Kunden kann man das nicht verübeln, er weiß es einfach nicht besser. Es liegt vielmehr am Berater, seinen Kunden optimal zu beraten, was für ihn die besten Prozesse sind.

Was wird wirklich gebraucht?
Viel hilft nicht immer viel. Das ist wie im Baumarkt. Dort ist das Angebot auch riesig. Aber kaufe ich dort alles, was ich sehe? Nein, ich kaufe nur das, was ich wirklich benötige.

Also liebe Kunden, führt nicht einfach Prozesse ein, weil sie in den gekauften Prozesssets dabei sind, sondern überlegt, was ihr wirklich braucht. Und immer dran denken: Ein Brett aus dem Baumarkt muss ich gegebenenfalls noch für meine Bedürfnisse zuschneiden, bei den gekauften Prozessen ist das nicht anders. Auch diese gilt es auf die eigene Organisation anzupassen. Die oben erwähnten Sets können nur Ideen sein, wie diese Prozesse aussehen können, das Zurechtschneiden kann ich mir jedoch nicht sparen, wenn das Brett passen soll.

Also: Suchen Sie sich erfahrene Berater. Einen Tischler, der sein Wissen nur aus einer theoretischen Grundlagenschulung erworben hat, lassen Sie ja wohl auch nicht ihr Parkett verlegen!

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